Summ- und Brummstart

Sie sind da! Die ersten Insekten sind bereits unterwegs. Von den wärmenden Sonnenstrahlen aus ihrer Winterstarre geweckt, treibt sie alle eines an: HUNGER!
Marienkäfer, Schwebfliege, einige Bienen- und Wespenarten habe ich in meinem Kleingarten schon entdeckt. Sie machen sich über die vielen Krokusse im Rasen und in den Beeten her. Auch ein Zitronenfalter flatterte am Wochenende vorbei, nur eine fehlt noch …

die „Bombus-Queen“!

Die Hummelköniginnen lassen sich in Hannover noch ein wenig Zeit. Viel zu frostig waren die Nächte der letzten Tage, als dass ein Herauskommen aus den bis zu 15 cm tiefen Erdlöchern risikofrei wäre. Die jungen Königinnen warten noch auf konstantere angenehmere Temperaturen. 5-6°C sollten es in der Überwinterungshöhle schon sein. Steinhummeln lassen sich sogar erst bei 9°C blicken.

Monate her: Eine junge Erdhummelkönigin im Spätsommer.

Es muss perfekt sein

Damit eine gleichbleibende Temperatur gewährleistet ist, sind die Überwinterungsplätze im Erdreich sorgfältig gewählt. Meist sind sie absonnig gelegen, sind also vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Das senkt die Gefahr, dass die Sonne die Erde zu schnell erwärmt, die Hummel erwacht und losfliegen will, ohne genügend Blüten vorzufinden. Das würde den schnellen Tod für sie bedeuten.

Kritisch wird es auch, wenn die Dauer der Kälteperiode zu lang wird. Denn dann schmelzen die Fettreserven so stark, dass die Hummeln geschwächt sterben. Umso wichtiger ist es für sie, mit prall gefüllten Magen voller Nektar und dicken Fettpolstern in den Winter zu starten. Ein Appell an uns, auch für viele Nektarangebote gerade im Spätsommer zu sorgen!

Hummel an lila Blüte
Letztes Jahr war die Duftnessel neben dem Dost der absolute Renner in meinem Garten.
Aber auch diese Hortensie wurde von einer jungen Erdhummelkönigin als Spätsommermahlzeit nicht verschmäht.

Übrigens überwintern die Jungköniginnen gerne in verlassenen Mäusenestern und in naher Gesellschaft anderer ihrer Art. Teilweise sollen es an günstigen Plätzen 100 bis 200 Tiere sein. Doch allesamt sind es zukünftige Königinnen, begattet und bereit im Frühjahr ein neues Volk zu gründen. Denn im Gegensatz zu den Bienen sterben die übrigen Tiere des alten Hummelstaats im Herbst ab.

Was tun? Und wer ist eigentlich wer?

Jeder kann in seinem Garten dafür sorgen, ein passendes Angebot für Hummeln zu schaffen, wenigstens für die sieben siedlungnahen der ca. 45 (Stand 2019, Quelle BMU) in Deutschland vorkommenden Arten: Man muss die Einladung nur richtig ausgestalten quasi als Rundum-sorglos-Paket. 🙂

Am besten ist ein naturnaher Garten mit vielfältigen Strukturen und wilden Ecken, die Überwinterungs- und Nistmöglichkeiten bieten. Je nach Hummelart sind neben Erdhöhlen in lockeren Böden Komposthaufen, moosige Böschungen, Erdwälle, hohle Baumstämme, Totholzhaufen oder verlassenen Vogelnester perfekte Plätze. Und genauso wichtig: Ein durchgehendes Angebot an blühenden Pflanzen von Frühling bis zum Herbst. Hummeln, die einige Tage keine Nahrung bekommen, sterben.

Ackerhummel an lila Blüte
Ackerhummeln sieht man häufiger bei uns fliegen. Offenlandarten des Grünlands, der Moore oder Heideflächen stehen jedoch auf der Roten Liste.

Gleiches gilt auch für den größten Teil der gefährdeten Hummelarten, die des Offenlands. Sie sind durch den Verlust von kleinteiligen, blütenreichen Lebensräumen vielerorts komplett verschwunden. Hier sind besonders die Landwirtschaft, Flächenbesitzer und Behörden gefragt. Ein hummelfreundliches Pflegemanagement von Rand- und Saumbiotopen, ein Biotopverbund für den Genaustausch und der Verzicht auf Pestizideinsatz können den dramatischen Artenrückgang vielleicht noch stoppen.

Wer Infos zu konkreteren Maßnahmen im Garten oder auf der Fläche erfahren möchte: Ein tolles Faltblatt „Hummelschutz“ der Stadt Hannover aus der „Serie Chancen für die Natur“ hilft da weiter. Ihr könnt es hier als PDF herunterladen.

Hummel in gelber Blüte
Die Staudensommerblume ist eine sehr ausdauernde Blüherin. Perfekt für viele Insekten.

Wichtige Hummelpflanzen im Überblick gibt es z.B. hier auf der Seite des NABU Mecklenburg Vorpommern. Und erprobt für den Balkon von Almuth, unserer Bienenkennerin von naturaufdembalkon. Sie hat aus ihrer langjährigen Erfahrung heraus eine Best- Of- Pflanzenliste zusammengestellt. Wichtige spätblühende Wildpflanzen sind z.B. Duftnessel, gefleckte Taubnessel, Löwenzahn, Kornblume, Dost und Efeu.

Soforthilfe kann auch jeder! Wenn Du jetzt eine schwache Hummelkönigin findest, biete ihr einfach einen Teelöffel mit Zuckerwasser an. Damit rettest Du nicht nur sie, sondern auch gleich einen zukünftigen Hummelstaat! Je mehr Hummeln es wieder gibt, desto besser. Denn sie sind als effektive Blütenbestäuber ein wichtiges Glied im Ökosystem.

Wer jetzt die Gattung Bombus noch näher kennenlernen und unterscheiden möchte: Eine tolle Seite – nicht nur zur Artenbestimmung – ist unter wildbiene.org zu finden. Und einen sehr spannenden und informativen Film über das Leben einer Hummelkönigin gibt es hier. Den Hummeln auf den Fotos bin ich übrigens mit einem 100mm Makroobjektiv und Nahlinse (Raynox DCR-150) auf den Pelz gerückt. Das hat richtig viel Spaß gemacht und wird dieses Jahr wiederholt!

Habt Ihr eigentlich schon Eure ersten Hummelköniginnen 2022 gesichtet? Und kennt Ihr Plätze mit Hummelnestern?

Images and Text © Simone Foedrowitz (F O T O H A B I T A T E). All Rights Reserved.

18 Comments

  1. We have had them in the garden for a couple of weeks now but we have had no hard frosts (hardly any frosts) this winter. They love the Mahonia blossom.

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    1. Your observations are confirmed by a British study. A second generation of bumblebees flies especially in cities like London where it is warmer. And where do you usually find them? On mahonias. ☺️ These plants give more nectar than others. Here is the link https://aktion-hummelschutz.de/ueberraschung-keine-winterpause-fuer-britische-hummeln-studie/

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  2. Mittlerweile habe ich hier auch mal die Hummeln fleißig gesehen, wenn die Sonne durchbricht. Ihre Fotos sind wirklich wunderschön und vielen Dank für die Informationen, die Sie uns geben.

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    1. Vielen Dank für Dein Feedback! Ich denke, spätestens am Wochenende werde ich auch die ersten Hummeln sehen können. Die Temperaturen steigen.

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  3. Schööööne Fotos von meinen Lieblingsinsekten! Wunderbar. Manches war mir neu. Ich glaube, wenn sie bereits ihren Staat gegründet haben, fliegen einige Hummelarten schon ab 2 Grad, aber daß sie als Jungköniginnen erst eine bestimmte konstante Temperatur brauchen um aus ihren Erdnestern zu kommen, ist mir neu. Deshalb sah ich also noch keine. Auch das sie in so großen Ansammlungen nisten wußte ich noch nicht. Die Best-of-Liste könnte noch wesentlich länger sein, du erwähnst ja auch noch ein paar Arten, aber alles geht auf einem Balkon leider nicht. Trotzdem danke für die Verlinkung 🙂 Ja, eigentlich braucht es so wenig, um was zu tun und die Insekten zu unterstützen. Hoffentlich regt dein schöner Beitrag noch mehr Menschen dazu an!

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    1. Ja, diese pummeligen Brummer mag ich auch total gerne. 🙂
      Ich habe gerade noch mal recherchiert. Hummeln fliegen grds. schon ab ca. 2 bzw. 4 Grad. Und diese Erdtemperatur bezieht sich nur auf die im Boden überwinternden Königinnen. Der Boden braucht in dieser Tiefe ja auch länger, um nach dem Winter warm zu werden. Und dann gibt es ja auch Arten, die andere Überwinterungsmöglichkeiten suchen. Bei mir im Garten suchen häufig mal Königinnen den Boden ab, um ein Nest zu finden. Einmal flog eine ins Schlüsselloch. War ihr aber wohl zu eng 😉
      Dir ein schönes WE und vielleicht begegnet und ja die erste Bombus-Quenn!

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    2. Das war jedenfalls gut zu wissen 🙂 Ich habe letzte Woche die erste auf dem Balkon gesehen und heute welche am Kanal unter einer dicken blühenden Weide 🙂 Juhu! Inzwischen hast du vielleicht auch schon welche entdeckt. Es wird ja ständig wärmer, nur der Wind, der war fies. LG Almuth

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  4. Beautiful photos and great to encourage people to plant for pollinators – and not to use pesticides.

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    1. Thank you! Actually, it’s not that hard to do something right.

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  5. Ausgezeichnete Makro Aufnahmen und sehr interessanten Beitrag. Hummeln habe ich diesem Frühling hier noch nicht gesehen, dafür sind die Nächte noch zu kalt.

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    1. Danke Dir, Greta! Ich denke die Tage werden wir sicher die ersten sichten. Es wird langsam wärmer.

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  6. Nicht nur die Hummelgesichter sind bei Deinen gelungenen Großaufnahmen schön anzuschauen, sondern auch die vielen Pollenperlen im Hummelpelz. Mit dem boßen Auge kann man diese Details einfach nicht so deutlich erkennen, zumal die Hummeln meist nicht sehr lange in ihrer Position ruhen.

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    1. Danke Dir, Ulrike. Ja, die quirrligen Hummeln sind so nah vor der Linse echt nicht einfach abzubilden. Aber wenn es denn klappt, entdeckt man oft erstaunliches!

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  7. Also das mit dem Zuckerwasser habe ich in jedem Jahr im Angebot für die Hummelköniginnen. In diesem Jahr war noch keine da. Sie nehmen das Nahrungsangebot erfahrungsgemäß sofort an. Auch dann, wenn Du sie am Erdboden ermattet findest und sie auf den Tisch bringst zum Zuckerwasser, sie stechen nicht und schlabbern sofort los. Wenig später fliegen sie mit sattem Gebrumm davon. Aber das kommt schon noch. Deine Bilder sind entzückend, Dein Text überaus informativ. Ich hatte das glaube ich mit dem Zuckerwsser und entsprechenden Fotos schon mal im Blog. Manchmal weiss ich auf Anhieb nicht, was ich schon schrieb und was nicht. Hm – das Alter …
    Liebe Grüße
    Maren

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    1. Ja, ich erinnere mich auch daran, dass Du mal davon geschrieben hast.
      Heute wieder keine Hummeln gesehen. Sowieso sind wenig Insekten unterwegs und die Vögel fressen wie verrückt die Erdnüsse und Insektenknödel. Ob es da einen Zusammenhang gibt?
      Ich hoffe nicht. Die Natur ist noch nicht so im Gang, aber die Schnäbel sind hungrig.
      Dir eine schöne Woche!

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    2. Hier auch noch immer keine Hummel, aber viel Vögel.. Meinst Du, sie fressen Hummeln? Ich habe mal gesehen, wie ein grüner Frosch eine Hummel fing, er hat sie blitzschnell wieder ausgespuckt.
      Genieße die Sonne

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    3. Hihi, nein, das meinte ich nicht. 🙂 Wenig Insekten = hungrige Vögel. Ich denke aber, es liegt eher an den noch eisekalten Nächten. Da haben die Vögel morgens beim Erwachen tierisch Kohldampf. Bin heute noch total fertig vom gestrgen Tag im Garten mit dem Eisewind…
      Ich genieße morgen 🙂

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  8. Die ersten Hummelköniginnen fliegen in Hannover. Zu sehen sind die „Plüschmors“ ☺️ bei Almuth. Dazu gibt es noch ergänzende Infos
    https://naturaufdembalkon.wordpress.com/2022/03/21/die-ersten-pluschmors-sind-da/

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