Was fasziniert Dich an Deinem Fotomotiv?

Wenn ich fotografiere, leitet mich anfangs genau diese Frage. Was fasziniert mich an dem, was ich da sehe? Und noch wichtiger: Wie kann ich genau DAS, was ich so besonders finde, mit fotografischen Mitteln darstellen? Wie am besten meine Emotionen transportieren? Eine Möglichkeit ist die Schwarzweißfotografie

Als ich im Berggarten Hannover vor dem Samenstand dieser Gewöhnlichen Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) stand, dachte ich: „Wow! Da ist aber rein gar nichts gewöhnlich! Diese fluffigen Fruchtstände mit den langen Samenfäden, in denen noch die glitzernden Wassertropfen des letzten Regens hingen – einfach unglaublich toll!“

Der Fokus auf die Wassertropfen bei f4,5 betont diese etwas stärker.

Um das festzuhalten, musste ich sehr nah mit dem Makro ran. Das erste Bild im Beitrag nahm ich mit einer geschlossenen Blende (f9) auf und wählte den Bildausschnitt so, dass der rechte Fruchtstand unscharf und zugleich heller blieb. Das gibt dem Bild Tiefe. Für die zweite Aufnahme wählte ich dagegen die offenere Blende 4,5.

Zu Hause entschied ich mich für die Konvertierung in Schwarzweiß und wählte einen etwas kleineren Bildauschnitt. Warum Schwarzweiß? Die lila Farbe der Kuhschelle war auch sehr schön, aber sie lenkte von dem ab, was ich so faszinierend fand: In soften Grautönen kommt diese fedrige, leichte, fast verträumte Struktur des Samenstands für mich am besten zum Ausdruck.

Gewöhnliches ungewöhnlich fotografieren fordert die Kreativität heraus.

Sowieso bin ich ein Fan von der Palette an unbunten Grautönen zwischen dem reinsten Schwarz und Weiß. Da ist für mich überhaupt nichts trist oder langweilig. Das Fehlen von Farbe fokussiert, lenkt nicht ab, ist gerade heraus, betont Formen und Strukturen und kann dabei auch noch melancholisch und zärtlich wirken.

So wie in dem obigen Bild eines ebenfalls ganz gewöhnlichen Farnwedels. Auch hier habe ich mit einer offenen Blende gearbeitet und leicht überbelichtet, um den sanften Ausdruck zu transportieren. Eine weiße Vignettierung verstärkt diese Wirkung.

Das Schaufensterglas verursacht eine leichte Unschärfe, die jedoch nicht stört. Im Gegenteil.

Und wie wirkt dieses Bild auf Euch?

Die unscharfen Blütenblätter der Kaktusblüte leiten den Blick auf den Blütenstempel, eingerahmt von einem Kranz aus Staubblättern. In Farbe konnte das Bild dieses Potenzial nicht voll entfalten. Und der Wechsel zwischen Schärfe und Unschärfe betont zusätzlich das, was mich faszinierte: Die Fächerform des Blütenstempels.

Durch den Fokus auf das Licht (Spotbelichtung), verschwinden ablenkende Elemente im Dunkeln.

Schwarzweißfotografie ist auch wunderbar für Licht und Schattenspiele geeignet. Fotografie heißt von der altgriechischen Wortherkunft her so viel wie mit Licht malen/ zeichnen, also ist das Licht das wesentlichste Element für mein Foto. Ich behaupte sogar, dass man vorrangig eigentlich das Licht auf einem Motiv fotografiert.

Stimmt das Licht nicht, kann das schönste Motiv der Welt fade und langweilig wirken, z.B. weil es ohne Schatten an Plastizität fehlt. Dagegen können ganz gewöhnliche Motive im richtigen Licht fotografiert eine intensive Wirkung entfalten.

Und, wie seht Ihr das? Mögt Ihr auch gerne die Schwarzweißfotografie? Und wenn ja, was reizt Euch daran? Was sind Eure Lieblingsmotive?

Mehr: Beiträge mit Schwarzweißfotografie und Portfolio Projekt „Photoart – Blattwerk(e)“

Images and Text © Simone Foedrowitz (F O T O H A B I T A T E). All Rights Reserved.

34 Comments

  1. Liebe Simone, das sind ganz wunderbare Bilder. Ich möchte fast sagen elfengleich. In Farbe kommt das nicht so raus, das verstehe ich. Zärtlich und melancholisch, da stimme ich voll zu, auch irgendwie geheimnisvoll.
    Ich mag es sehr. 🙂
    Liebe Grüße Ariana

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    1. Ja, geheimnisvoll trifft es auch gut. Insbesondere bei dem letzten Bild der Blüte im Zwielicht. Lieben Dank für Deinen Kommentar! 😊

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  2. Traumhafte Fotos … große Kunst 🙂
    LG vom Lu

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    1. Das freut mich sehr! 😊 LG zurück

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  3. Wunderschöne Fotos und feine Erklärungen, danke dir. Ich experimentiere auch immer wieder mit Schwarz/Weiß und mit Grautönen, gerade jetzt auch mit Pflanzen – da tun sich neue Welten auf! Herzliche Grüße, Hania

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    1. Das finde ich toll, eine Gleichgesinnte gefunden zu haben! Pflanzen, v.a. Blüten, können auch ohne Farbe sehr interessant wirken. Man konzentriert sich dann auf die anderen Besonderheiten. Ich finde, das erweitert enorm den Blickwinkel und macht ganz viel Spaß!
      Danke für Deinen Kommentar, liebe Hania! LG zurück

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  4. Ganz toller Beitrag! Dass die Schwarzweiß-Fotografie einer meiner Schwerpunkte ist, weißt Du. Mit ihrer Reduktion erleichtert sie die Konzentration auf das Wesentliche und bietet gerade im künstlerichen Bereich tolle Möglichkeiten.

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    1. Vielen Dank für Dein Kompliment! Ich stimme Dir zu. Künstlerisch kann man hier sehr viel Potenzial entfalten und verschiedene Dinge ausprobieren. Highkey und Lowkey zum Beispiel.

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  5. Das sind wunderbare Studien der Kuhschelle, selten so gesehen. Dennoch liebe ich die Farbe in Fotos, Lichtstimmungen fängt man ebenso wunderbar in Farbe ein. Die Regenbilder meiner knuffigen Vögel begeistern mich vom Licht her, trotz Regen, als Beispiel wie ich meine Meinung belege. Mein Lieblingsfotograf ist Peter LIk, schau mal in seine Webseite, wenn Du magst.
    LIebe Grüße
    MAren

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    1. Was wäre der Sonnenaufgang ohne Farben? Da bin ich ganz bei Dir. Ich finde beide – Farbe sowie Schwarzweiß – stehen nicht in Konkurrenz. Es kommt immer darauf an, welchen Aspekt man betonen und welches Gefühl man mit dem Bild ausdrücken möchte.
      Manchmal aber überdeckt Farbe feine Nuancen des Bildes. Schwarzweißfotografie ist teilweise näher an dem Wesen oder Charakter des Motivs. Einfach weil Farbe nicht ablenkt.
      Den Lik schau ich mir noch an.
      LG zurück

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    2. Der Lik hat auh ein bisschen schwarz/weiss – und Preise – der Hammer 😉

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  6. Very thoughtful post with lovely photos – thanks!

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    1. Thank you Sam! Maybe I managed to inspire a little?

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  7. Danke für das Teilen deiner Fotos.
    Ich liebe an der SW Fotografie, dass sie oftmals das Grafische mehr betont und auch dem Minimalisms zu neigt.
    Ich bin kein Fotograf, sondern ein Autor, der mit einer Fotografin zusammenlebt. Die Frage, was einem an seinem Objekt interessiert und welchen Stil man wählt, der dieses deutlich hervorbringt, halten wir für so selbstverständlich wie grundlegend.
    Alles Gute
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    1. Ja, beides ist grundlegend. Da stimme ich zu. Und dennoch fragt sich vielleicht so mancher, warum das gemachte Foto nicht jenes Gefühl ausdrückt, weshalb man das Motiv fotografiert hat.
      Fotografische Grundlagen und Techniken zu kennen ist das eine. Das andere ist es, sie so für das Foto zu nutzen, dass genau das an Gefühl herauskommt, wie man es sich vorgestellt hat. Das ist ein Prozess, den man zunehmend mit Erfahrung lernt. Und er ist oder sollte auch bei Profis nicht abgeschlossen sein. Man kann immer dazu lernen. Sich immer wieder überraschen lassen.
      Vielen Dank für Deinen Kommentar und LG nach GB!

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  8. Wundervolle Fotos. Schwarzweiss erscheint mir oft charaktervoller und oft mystisch.

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    1. Dankeschön! Ja, das sehe ich ähnlich!

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  9. Your photos are wonderful and seem to approach something essential about their subjects. They are inspirational. I have been exploring doing more in b&w but not so much in macro but will experiment more with that. It is good to be reminded that fundamentally photography is ‚painting with light‘. I agree with what you say about b&w and also that there is not a competition between it and colour photography. They have completely different qualities to be enjoyed. Thanks for this thoughtful and thought-provoking post.

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    1. Thank you for your enriching comment, Carol! I appreciate it very much, also because you probably used a translator! Unfortunately, I currently lack the time for the English translation of my posts.
      I think black and white photography is too often associated only with the reductive graphic. Yet it can do much more with the multitude of gray tones.
      I’m looking forward to seeing your work!
      Have a great weekend and I hope you are well!

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    2. Hi Simone – yes I did use Google translator and it does a reasonable job. (The intro German course I did many years ago does not exactly stand me in good stead 🙂)
      That is true that B&W can add so much that colour cannot convey. Thanks for the inspiration.
      We are fine thanks and you keep safe too. With best wishes.

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    3. Funny! Now our comments have crossed! 😊

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  10. Grenzgängerin

    Toll geschrieben! Ich liebe diese Schwarzweißfotografie total sehr und es macht sehr viel Spaß damit zu experimentieren und sehen toll aus mit viel Charakter und so.

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    1. Freut mich! Den Beitrag hatte ich schon länger vor. Ich experimentiere auch sehr gerne mit den Grautönen herum. Und die Schwarzweißfotografie hat weit mehr als nur das reduzierte Grafische zu bieten.
      Danke für Deinen Kommentar und schönes WE!

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  11. Bild 2 mag ich besonders – es ist so wahnsinnig geheimnisvoll.

    In der Regel gehe ich beim Fotografieren nicht planvoll vor, sondern lasse mich von Impulsen leiten. So kann ich gar nicht sagen, warum ich was gemacht habe.
    Die Schwarzweißfotografie habe ich bisher nicht ausprobiert, Dein toller Beitrag hat mich aber auf den Geschmack bebracht. Mal sehen, was der Impuls bei mir auslöst.
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Ich glaube auch bei einem Impuls oder bei intuitiven Fotografieren hat man eine Vorstellung von dem, was einen anzieht und was man gerne mit dem Foto ausdrücken will. Den Intuition beruht auf Wissen und Erfahrung. Nur das läuft so schnell ab, dass einen das nicht bewusst ist.
      So fotografiere ich natürlich auch. Also, ich laufe jetzt nicht immer mit einem konkreten Plan herum 😊, das würde meine Spontanität viel zu sehr einschränken.
      Aber wenn ich dann was entdecke, so wie die Kuhschelle, mache ich mir diesen unbewussten Prozess doch bewusster wahr. Denn wenn ich nicht weiß, was an dem Motiv für mich persönlich eine ganz bestimmte Bedeutung hat und wie ich dies dann umsetzen kann, werde ich im Endeffekt mit dem Resultat weniger zufrieden zu sein.
      Viele Bilder plane ich aber auch nicht zwingend in Schwarzweiß, habe es aber auf dem Schirm, sie nachträglich zu konvertieren. Manchmal ist es echt erstaunlich, wie aus einem faden Farbbild, was ich schon löschen wollte, ein eindrucksvolles SW-Bild entsteht!
      Probiere es einfach mal aus. Macht echt Spaß!
      Danke Ines für Deinen Kommentar und ein schönes Wochenende!

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  12. Liebe Simone, ich finde das klasse, wie du vorgehst. Mit Verstand und Überlegung. Ich denke, so fischst du ein Maximum aus einem Motiv heraus.
    Leider mache ich es nicht so. Ich gehe einfach mit einer vagen Idee im Kopf und mindestens einer Kamera raus und schaue, was mich anspringt. Mit der Kamera in der Hand will ich möglichst nicht studieren sondern erleben. Meine Bilder entstehen im besten Fall intuitiv, im weniger guten, sind es fotografische Unfälle. Allerdings fange ich dann bei der Nachbearbeitung am Computer an, mir Gedanken zu machen, wie die Bilder funktionieren könnten und was ich beim nächsten Mal besser machen könnte. Ich denke, das ist so etwa mein Lernprozess gemäss meinem Naturell und im Laufe der Zeit sind doch ein paar brauchbare Bilder entstanden.
    Schöne Grüsse, Franz

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    1. Hallo Franz!
      Ich habe länger über Deinen bereichernden Kommentar nachgedacht. Ich glaube, Intuition und Plan beruhen auf demselben System und sind daher nichts Gegensätzliches. Denn Intuition beruht auf Wissen und Erfahrung. Nur läuft es unbewusst ab, ohne also bewusst den Verstand einzuschalten. Aber bei der Gewinnung von Wissen war der Verstand ja schon mal dabei. So wie z.B. beim Autofahren. Da denkt man ja auch nicht mehr großartig über das Kuppeln und Schalten nach. Als Fahranfänger aber schon.
      Wenn ich mir meine Erstlingswerke, die ich spontan und intuitiv erstellt habe, mit denen vergleiche, die ich jetzt auch spontan und intuitiv erstelle, dann ist da ein gewaltiger Unterschied. Viel mehr Ausdruck und Emotion. Dahinter steckt Übung und die Auseinandersetzung mit dem Resultat und dem, wie ich es verbessern kann. Genau so wie Du es beschrieben hast.
      Bei Deinen schönen ICM-Bildern ist natürlich auch jede Menge Zufall nötig, um das für Dich zufriedenstellende Resultat zu erzielen. Aber ich bin mir sicher, dass Dich im Unbewussten genau dieselben zwei Fragen leiten. 😊
      Vielen Dank für Deine Gedanken und ein schönes Wochenende!

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  13. I enjoyed the intimacy of your photos here, Simone, and the variety of shapes and textures was wonderful. Your photos invited us to join you inside the flora.

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    1. Thank you very much Jet for accepting the invitation! ☺️

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  14. Wunderschön übrigens ist Deine Webseite, die Blumenbilder sind zauberhaft anzusehen, ganz besonders der Effekt, wenn man die Bilder anklickt und öffnet. Viel Beifall von
    Maren

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    1. Dankeschön! Hab mir auch viel Mühe gegeben 😊

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  15. Such a beautiful series Simone, I loved each photo on its own, and the description of your perspectives as you changed your aperture settings as well. I’d love for you to link to this week’s Lens-Artists Challenge. It suits our One Photo Two Ways theme perfectly!

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    1. Thank you so much, Tina! I will think about it.

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