Auf dem einstigen Dach – On the former roof

Das schneeweiße Geröllfeld des Wimbachgries strahlte so unglaublich grell unter der hoch stehenden Sonne, dass es mir in den Augen brannte. Eine bizarr geformte Landschaft aus Weiß, Braun und Grün unter blauen Himmel. Kaum zu glauben, dass ich im Wimbachtal auf dem Dach eines ehemaligen Bergmassivs wanderte…

The snow-white scree field of the Wimbachgries shone so incredibly bright under the high standing sun that it burned in my eyes. A bizarrely shaped landscape of white, brown and green under a blue sky. It’s hard to believe that I hiked in the Wimbachtal on the roof of a former mountain massif.

Die Entstehung des Wimbachtals

Das Wimbachtal liegt zwischen zwei der höchsten Berge Deutschlands, dem Watzmann (2.713 m) im Osten und dem Hochkalter (2.607 m) im Westen. Das Hochkaltermassiv seht Ihr auf den zwei oberen Bildern. Früher waren beide Berge nur die Flanken eines miteinander verbundenen mächtigen Gebirgsstocks, dessen Scheitel hoch über meinem Wanderweg lag.

The origin of the Wimbachtal

The valley Wimbachtal lies between two of the highest mountains in Germany, the Watzmann (2.713 m) in the east and the Hochkalter (2.607 m) in the west. You can see the Hochkalter massif on the two upper pictures. In former times both mountains were only the flanks of an interconnected mighty mountain massif, whose crown lay high over my hiking trail.

Doch eine geologische Instabilität verursachte einen so genannten Grabenbruch. Der Scheitel des mächtigen Bergmassivs stürzte ein. Anschließend ließen die erosiven Kräfte der eiszeitlichen Gletscher das U-förmige Wimbachtal entstehen. Und noch heute ist das Tal in stetiger Bewegung.

But a geological instability caused a so-called Rift Valley. The summit of the mighty mountain massif collapsed. Subsequently, due to the erosive forces of the glaciers of the Ice Age created the U-shaped Wimbachtal. And the valley is still in constant motion today.

Über 300 Meter hoch sind die mächtigen Ströme aus Schutt und Geröll, dem namensgebenden Gries, das überwiegend aus Ramsaudolomit besteht. Er bildet den Sockel der Berge, auf dem die zweite im Gebiet vorherrschende Gesteinsart lagert, der Dachsteinkalk. Aus letzterem bestehen die Gipfelregionen des Watzmannmassivs, das auf den zwei folgenden Bildern zu sehen ist.

Over 300 metres high are the mighty streams of debris and boulders, the Gries, which gives its name to the area and consists mainly of Ramsaudolomit. It forms the base of the mountains, on which the second predominate type of rock, the Dachstein limestone lies. The summit regions of the Watzmann massif (the following two pictures) consists of the Dachstein limestone.

Beide Gesteinsarten sind nacheinander im Trias entstanden, einer Zeitperiode, die vor rund 251 Mio. Jahren einsetzte. Doch sie haben sehr unterschiedliche Eigenschaften, was sicher den Zusammensturz des einstigen Watzmann-Hochkalter-Gebirgsstock begünstigte. Der Dachsteinkalk aus dem Obertrias ist viel fester und verwitterungsresistenter als der ältere, weichere und leicht erodierbare Ramsaudolomit.

Both types of rock were formed successively in the Triassic, a period that began about 251 million years ago. But they have very different characteristics, which certainly favoured the collapse of the former Watzmann-Hochkalter mountain massif. The Dachstein limestone from the Upper Triassic is much stronger and more resistant to weathering than the older, softer and easily eroded Ramsaudolomit.

A-533-watzmannmassiv-wimbachtal-ramsau-berchtesgadenNur die Stille hören

Die Zirbeln oder Arven, so nennt man umgangssprachlich Pinus cembra, die Zirbelkiefer, wachsen bevorzugt auf dem Ramsaudolomit. Je weiter man das Wimbachtal hinaufwandert, desto häufiger begegnet man bizarren Exemplaren.

Ich war nun auf 1.500 Meter Höhe in der subalpinen Zone im oberen Wimbachtal angelangt. Einige Kilometer berghoch geht es über den Trischübel ins Steinerne Meer, einem Karsthochplateau. Ein weiteres Highlight der Gegend.

Listen only to the silence 

The Swiss stone pine (Pinus cembra), in Germany so called Zirbel or Arve, grows preferentially on the Ramsaudolomit. The further one goes up the Wimbachtal, the more frequently one encounters bizarre individuals.

I was now at an altitude of 1,500 metres in the subalpine zone of the upper Wimbachtal. A few kilometres further one can cross the Trischübel and hike into the Steinerne Meer, a karst plateau. Another highlight of the area.

Doch nach über 11 Kilometern ab Start an der Wimbachbrücke war für mich dann Schluss. Dieselbe Strecke musste ich auch wieder zurück. Leider, denn am liebsten wäre ich über Nacht geblieben und hätte mir den sicher unvergesslichen Sternenhimmel angeschaut. Für meine Mittagspause suchte ich mir ein Plätzchen im Gries, legte mich hin und hörte der Stille zu.

But after more than 11 kilometres from the start at the Wimbachbrücke, I stopped, because I had to go back the same way. Unfortunately, because I would have liked to have stayed overnight and watched the surely unforgettable starry sky. For my lunch break I looked for a place in the Gries, lay down and listened to the silence.

Was für ein Hammerblick!
Irgendwo da oben kraxelten jene Mutigen herum, die den Watzmann überschreiten und dann an dessen Südspitze ins Wimbachtal hinabsteigen. Gerne hätte ich es ihnen gleichgetan. Vielleicht irgendwann einmal und sicher nur in erfahrener Begleitung. Die Überschreitung scheint von manchen unterschätzt zu werden und es gibt regelmäßig Unglücke.

What a gorgeous look!
Somewhere up there the brave ones climbed around for crossing the Watzmann and then descending at its southern tip into the Wimbachtal. I would have liked to do the same. Maybe at some point and surely only in experienced company. The crossing seems to be underestimated by some and there are regular accidents.

So langsam wollte ich los, doch mein Wanderschuh war besetzt. “Ton in Ton”, dachte ich mir lächelnd und blieb gerne noch ein wenig länger liegen. 🙂

Slowly I wanted to get going, but my hiking shoe was occupied. “tone-in-tone”, I thought with a smile and liked to stay a little longer. 🙂

Genügend Zeit

Gegen 15.00 Uhr raffte ich mich dann endlich auf. Nach rund 1,5 Kilometern erreichte ich wieder die Wimbachgrieshütte, in der man übernachten kann. Eigentlich keine schlechte Idee!… Dann ging es durch das Wimbachgries ins Tal, vorbei am Wimbachschloss immer entlang der Wimbach, die hier ihren unterirdischen Verlauf verlässt und an die Oberfläche tritt.

Enough time

Around 3:00 p.m. I finally picked myself up. After about 1.5 kilometers I reached the Wimbachgrieshütte again, in which one can spend the night. Actually not a bad idea!… Then it went through the Wimbachgries into the valley, past the Wimbachschloss always along the Wimbach, which here leaves its underground course and comes to the surface.

Der Abstieg ging schneller als geplant und so blieb mir genügend Zeit für kreative Fotospielereien. Und bei Wasser kann ich Langzeitbelichtungen sowieso nur schwer widerstehen. Also Pause für die Füße eingelegt und einen passenden Stein als Stütze für die Kamera gesucht.

The descent went faster than planned and so I had enough time for some creative photos. And if I see water, I can’t resist long exposures anyway. So I took a break for my feet and looked for a suitable stone to hold the camera.

Am Ende des Tals fließt die Wimbach als reißender Wildbach durch die extrem schöne Wimbachklamm. Ein herrliches Spektakel, von dem ich in meinem Post Geotop 172R018 bereits berichtet habe. Es sieht so zauberhaft aus, wenn die vielen Wasserfälle über die glänzenden Felsen hinabströmen. Und das nicht nur in Farbe.

At the end of the valley the Wimbach flows as a rapid torrent through the extremely beautiful Wimbachklamm. A wonderful spectacle, of which I already reported in my Post Geotop 172R018. It looks so enchanting when the many waterfalls stream down over the shining rocks. And not only in colour.

A-538-wimbachklamm-wasserfall-am-fels-schwarzweiss

Doch nun ließ ich die kostenpflichtige Wimbachklamm “links liegen”. Stattdessen lief ich auf dem parallel verlaufenden oberen Weg an ihr vorbei bis zum Parkplatz Wimbachbrücke. Hier am Start- und Endpunkt der Wanderung befindet sich auch eine Nationalpark-Informationsstelle mit vielen interessanten Fakten zum Berchtesgadener Nationalpark und dem Wimbachtal. Dessen Grieslandschaft ist wie die Wimbachklamm ebenfalls ein besonders wertvolles Geotop (172R017).

But now I didn’t pay any attention to the Wimbachklamm. Instead I walked along the parallel upper path past it to the parking lot Wimbachbrücke. Here at the start and end of the hike is also a national park information point with many interesting facts about the Berchtesgaden National Park and the Wimbachtal. Its scree and debris streams is also anparticularly valuable geotope (172R017) like the Wimbachklamm.

Fazit der Wanderung durch das Wimbachtal?

Eine durch die Länge und kontinuierlich ansteigende Höhe von 800 Metern anstrengende, aber geologisch und landschaftlich tolle Tageswanderung. Einzig der breite Forstweg bis zum Wimbachschloss ist für meinen Geschmack ein wenig langweilig. Aber bei normaler Schrittgeschwindigkeit dauert es nur knapp eine Stunde, bis man das Wimbachschloss erreicht hat. Gleich dahinter geht es in das weiße Gries und auf blütengesäumte schmalere Pfade.

Conclusion of the hike through the Wimbachtal?

Due to the length and continuously rising altitude of 800 meters it is an exhausting, but geologically and scenically great day hike. Only the wide forest path to the Wimbach Castle is a bit boring for my taste. But at normal walking speed it only takes about an hour to reach the Wimbachschloss. Directly behind it it goes into the white Gries and on narrower flower-lined paths.

 

Images and Text © Simone Foedrowitz (F O T O H A B I T A T E). All Rights Reserved

33 Comments

  1. Wow — eine tolle Tour und imposante Fotos.

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    1. Dankeschön! Die Strecke ist wirklich toll.

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  2. Ein eindrucksvolles Tal mit interessantes Geschichte.

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    1. Für geologisch Interessierte ein wahres Schmankerl!

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  3. Beste Werbung – nicht nur für Deine wunderschönen Fotos. Deinen Bericht könnte jeder Werbeprospekt für die Region übernehmen. LG Maren

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    1. Bin gleich einen Zentimeter gewachsen! 😊
      Danke für Dein Kompliment, liebe Maren!

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    2. Ooooh wie gut, bei mir beginnt mittlerweile der Altersschrumpfprozess 😉 😉

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    3. Nicht nur bei Dir 😁

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  4. Das sieht sehr beeindruckend aus … auch wenn es so karg ist, trotzdem überwältigend!

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    1. Ich habe eine Schwäche für so reduzierte Landschaften,weil sie mich erden. Deshalb besuche ich auch immer wieder Vulkaninseln wie La Palma oder Fuerteventura.

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  5. Een prachtig blog met werkelijk schitterende foto’s, ik heb er van genoten hoor.

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    1. Ik nam je graag mee! 😊

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  6. Interessanter Reisebericht, samt wunderschönen Fotos, danke. 🙂
    Liebe Grüße Ariana

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    1. Danke Dir Ariana!

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  7. wow tolle Fotos vor allem mit der Langzeitbelichtung !!! Ja die Überschreitung ist von vielen unterschätzt worden. Ich war mal auf der Watzmannhütte ist aber schon Jahre her !!! Tolle Tour !

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    1. Danke Dir! Das war auf dem Watzmann sicher beeindruckend schön! Ach, die ganze Gegend ist einfach ein Genuss!! Ich müsste nur fitter sein. Berge sind für Flachländer wie mich einfach ziemlich anstrengend. 😉

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    2. das haben die Berge so an sich mit dem anstregend sein, für den einen mehr für den anderen weniger !
      Mir haben die Berge immer sehr viel Freude bereitet aber heute geht auch nicht mehr so viel !! Das Interesse ist aber immer noch da und Bergfotos sind einfach nur schön !!!!

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  8. Breathtaking views, even when I am not at a high altitude! Interesting to see the twisted shapes of the pine trees and the flowers and mountain streams are lovely too, as is the sweet little butterfly.

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    1. It’s an very interesting area and I have a weakness for bizarre tree growth. Thank you Carol!

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    2. The convoluted shapes of the trees are fascinating for me to see as the pine trees we have here are mostly in commercial timber plantations and they grow fast and uniformly straight! I didn’t know pine trees could be so interesting.

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  9. Fantastische Landschaft und sooo tolle Aufnahmen. Die Wasserspielereien sind dir gelungen. Die Schwarzweißaufnahme finde ich besonders schön. Hach, da möchte man gleich loslaufen. Und ja, dEN STernenhimmel hätte ich auch gerne gesehen, seufz! LG, Almuth

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    1. Ja, man glaubt kaum, wie viele Sterne ohne Lichtverschmutzung mit bloßem Auge zu sehen sind. Das ist schon irre!

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    2. Daran erinnere ich mich noch aus meiner Kindheit. Hab oft mit einer Freundin am winterlichen (oder auch sommerlichen) Abendhimmel nach Sternbildern gesucht. DAMALS konnte man noch die Milchstraße sehen, heul!! Das muß toll sein, in so einer Gegend, wo nichts (oder fast nichts) stört!

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  10. Just beautiful. A lovely post filled with stunning photographs. You have a great talent 🙂

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    1. Thank you so much Louise! I am pleased that you like the area of the Wimbachtal!!

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  11. Dieser Ausflug hätte nur durch einen Rundweg besser werden können, oder durch eine Übernachtung unter dem von Dir erwähnten Sternenhimmel. Von den blumengesäumten und schmetterlingsbesuchten Pfaden, über die kargen Felsböden, bis hin zu den Wasserfotospielereien bin ich gerne mit Dir gewandert, liebe Simone.

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    1. Vielen Dank, Tanja. Ja, ich bevorzuge ebenfalls Rundwanderungen. Kann man im Nationalpark natürlich auch machen, dann aber als Mehrtageswanderung mit Hüttenübernachtung. Steht definitiv auf meiner Wunschliste.

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    2. Ich hoffe Du kannst Dir Deinen Wunsch erfüllen!

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  12. Beeindrückende Landschaft.

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  13. Thank you so much for taking us on this wonderful trip and showing your stunning photographs!!

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    1. Thanks for your kind comment!

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  14. Gorgeous post, Simone, accompanied by your interesting history narrative. Love your slow shutter water shots and your butterfly visitor, too. 🙂

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  15. Thank you Jane! I love it to take a closer look to the origin of our earth. If you know the ecological interrelationships you’re better able to protect nature. 😊

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