Stretching statt Smoking

Hannover: Schon seit Jahren brütet ein Hausrotschwanz-Pärchen an unserem Gebäude. Als einstige Felsenbewohner in kargem Gelände kommen die beiden Kulturfolger mit der städtischen Umgebung bestens zurecht. Hoch oben auf der Dachantenne begrüßt das Männchen den anbrechenden Tag mit seinem markanten leicht knirschenden Gesang. Anschließend heißt es Insekten und Spinnen jagen. Denn der Nachwuchs ist ungeduldig und vertreibt sich inzwischen seine Langeweile mit Stretching. Na ja, besser als wenn er sich ein Kippchen anzünden würde. 🙂 …

Oben auf dem Dach: Pole-Position für die Jagd – entweder Auffliegen oder …
jagendes Hausrotschwanz-Weibchen auf dem Dach
die Beute direkt auf den Dachschindeln erlegen.
Unten an oben: „Was dauert das bloß so lange?“ 😉

Ich freue mich immer, wenn ich die kleinen Racker über die große Hoffläche hüpfen sehe. Gut erkennbar an dem rostroten Schwanz und dem charakteristischen Wippen und Beinknicksen. Von der Farbe her ähneln die Jungtiere dem unscheinbar braun gefärbten Weibchen. Aber bei genauerem Hinsehen sehen sie ein wenig zerzauster aus.

Ton in Ton – Der Nachwuchs ist perfekt getarnt.
Hier zum Vergleich – das Weibchen.

Männliche Hausrotschwänze sind im Gegensatz zu den Weibchen grauschwarz gefärbt und ihr Gesicht bis zur Brust ist schwarz. Dies unterscheidet sie auch vom selteneren Gartenrotschwanz, der zudem andere Lebensräume bevorzugt. Hier hat das Männchen eine orangerote Brust.

Bis auf den orangefarbenen Schwanz fast gänzlich grauschwarz – das Männchen.

Haurotschwänze (Phoenicurus ochruros) können bis zwei Bruten pro Jahr haben. Unter sehr günstigen Bedingungen sogar drei. Die Brutzeit beginnt Anfang Mai und dauert bis Juli. Nach 14 Tagen schlüpfen fünf bis sechs Junge. So viele zusammen konnte ich bisher noch nie beobachten. Ich könnte mir vorstellen, dass neben Mardern, Falken und Elstern auch herumstreuende Katzen als Fressfeinde stark dezimierend wirken.

Ab November geht der Flug ins Winterquartier, das sich im MIttelmeergebiet befindet. Erst im März kehren die Hausrotschwänze wieder zurück zu uns. Mit dem Klimawandel könnte sich das in naher Zukunft ändern. Gründe dafür sind die milden Winter und die guten Lebensbedingungen in den ohnehin wärmeren Städten. In Süddeutschland sollen bereits vereinzelt Hausrotschwänze überwintern.

Gibt es bei Euch auch so treue Brutpaare wie bei mir in Hannnover? Und habt ihr schon Hausrotschwänze im Winter beobachten können?

Images and Text © Simone Foedrowitz (F O T O H A B I T A T E). All Rights Reserved.


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20 Comments

  1. Hallo Simone,

    deine Bilder und der zugehörige Text zeichnen ein schönes Porträt dieses standorttreuen Vogels. Mir gefällt das Bild mit den ausgebreiteten Flügeln überm Dachfirst besonders gut. Auch bei uns brüten seit Jahrzehnten Hausrotschwänze aber auch Amsel, Rotkehlchen, Zaunkönig und Mönchsgrasmücke gehören zu unseren Mitbewohnern.

    Liebe Grüße

    Horst

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    1. Solche gefiederten Nachbarn hat man doch wirklich gerne! In Hannover sind auch sehr viele unterschiedliche Arten unterwegs. Unser Stadtwald im Zentrum ist sehr groß und die Vögel migrieren in die Umgebung. Da sieht man dann ab und zu auch Mäusebussard, Buntspecht und Eichelhäher mitten in der Stadt.

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  2. Hausrotschwänze gibt es hier nicht, dafür jede Menge andere Arten. Zurzeit beobachte ich Jungvögel mit Fütterung der Eltern von Meisen, Dompfaff, Stieglitz, Heckenbraunelle und Amseln. 🙂🐦
    Liebe Grüße Ariana

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    1. Oh Dompfaff wie schön!! Die sehe ich leider recht selten. Ansonsten gibt es in Hannover sehr viele Vogelarten. Morgens ist echt Gesangverein angesagt 😄

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  3. Lovely to see Simone.
    A scarce bird here in the UK (about 100 pairs) but I have seen them in winter. I would think our winters are milder than you have.

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    1. Thank you Brian! That’s amazing! I did some research and the black redstart is actually on the Red List in the UK. It is very interesting to learn that it hibernates with you as a winter visitor.

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      1. I was surprised to see Black Redstarts in Berlin when I visited my daughter. I guess they are more common in Germany.

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      2. Yes, it seems so.

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  4. Lieber Simone
    danke für die feinen Bilder und all die Erklärungen im Text 🙏 🙏
    Obwohl wir hier im ‚Mecca of Birdwatching‘ wohnen, haben wir noch keine Rotschwänze gesehen. Das ist hier nicht das richtige. Habitat.
    Mit herzlichen Grüßen vom sonnigen Meer
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    1. Vielen Dank! Von Brian habe ich gerade gelernt, dass Hausrotschwänze in GB selten sind. Sie stehen sogar auf der Roten Liste. Aber sie bleiben im Winter bei Euch. Laut Wikipedia, insbesondere an den Küsten Wales, West und Südengland. Ihr wohnt in Norfolk, glaube ich, oder?

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      1. Ja, wir wohnen an der Küste von Nord-Norfolk, das ist am südlichen Ende der Wash.
        Danke für deine Info.
        Alles Gute
        The Fab Four of Cley
        🙂 🙂 🙂 🙂

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  5. Danke für die schönen Photos und Details über diese liebenswerten Vögel. Bei meinem Papa in Rheinland-Pfalz bleiben einige von ihnen den ganzen Winter über, und vergangenen Dezember konnte ich dort einige sehen.

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    1. Dann deckt sich das ja mit den Statistiken über den Winteraufenthalt der Hausrotschwänze im Süden von Deutschland. Lieben Dank auch an Dich für die Beobachtungen, Tanja. 👍

      Ist ähnliches Zugverhalten durch die Erderwärmung auch bei Dir in den USA zu bemerken?

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      1. Ja, auch in den USA gibt es Vogelarten, die nicht mehr wegziehen, weil die Winter mancherorts mild genug sind, um dort zu überleben, es sei denn, es gibt einen strengen Wintereinbruch, was dann leider tragisch enden kann. Die Zeit wird es weisen.

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  6. Ich habe gar keinen Hausrotschwanz bei uns, Meine treuesten Bewohner hier sind Kernbeisser und Gimpel. Drosseln und Meisen natürlich auch. Dein Bericht ist wieder reiner Zucker.
    Habe noch so viel USA – wäre das nicht, hätt ich kleine Kernbeisser anzubieten, fotografisch, sie sind letze Woche ausgeflogen. Jetzt habe ich noch Trauerschnäpper im Meisenkasten, mal sehen, ob die sich auch blicken lassen, wenn sie ausfliegen. Liebe Grüße Maren

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    1. Du wohnst für einen Hausrotschwanz halt viel zu ländlich 😁
      Kernbeißer habe ich dagegen bei mir noch nicht entdeckt. Dann bin ich ja gespannt, wenn Du die irgendwann veröffentlichst!
      Man muss halt Prioritäten setzen…
      Dir ein schönes Wochenende!

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      1. So, so – Hausrotschwanz mag es nicht ländlich 😉
        Schönes Wochenende wünsche ich Dir
        Maren

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  7. I’ve only seen an American Red-start, Setophaga ruticilla, once, during spring migration, down along the coast near Surfside, Texas.

    I did a little reading and learned that our American Redstart, a New World Warbler, and your Black Redstart, an Old World flycatcher, are very different birds, being in completely different families, Perulidae and Muscicapidae, respectively. Both Families are in the Passerines Order, so they are very distant cousins.

    Thanks for sharing your delightful little family, and inspiring me to go learn a new fact about birds!

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    1. I had already wondered whether there are also Black Redstarts or their relatives in America.
      Now I know. Thank you very much for your research!
      Incidentally, the „start“ in the name comes from the Old English word „steort“, which means tail.

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