Durchblick gesucht

Wenn alles bloß nur so klar wäre. Am besten ohne Glasscheiben. Vielleicht auf Dauer ein wenig zügig. Und zu viel Staub. Aber was gibt man nicht für ein wenig Klarheit in einer zunehmend verworrenen Welt? Einer, bei der sich so vieles so schnell ändert? Bei der so viel Vertrautes verlorengeht? Bei der ganze Orte verschwinden, an denen Erinnerungen hängen? …

Ich verfolge die Katastrophe auf La Palma. Die Faszination, einen Vulkanausbruch auf meiner Lieblingsinsel im TV live zu sehen, kämpft mit dem Mitgefühl und der Trauer. Ich bin zu Anfang des Ausbruchs Street View gefahren, um mich zu erinnern. Ich wollte wissen, ob die zwei Ferienhäuser, die wir mal gemietet hatten, noch da sind.

Nein, sie waren weg. Die ganze Straße war einfach weg. Und nun, einige Wochen später, ist auch die komplette Ortschaft weg. Den kleinen Ort Todoque gibt es nicht mehr. Er ist unter den Massen von Lava begraben. Keine Chance. Es ist kaum zu begreifen. Die „Palmeros“ tun mir leid.

Klar, wer auf einer Vulkaninsel lebt, muss damit rechnen. Aber tut man das wirklich? Menschen sind halt so. Oft geht es ja auch gut, jahrzehntelang, jahrhundertelang. Bis … Und wem bringen nun auch irgendwelche Schuldzuweisungen und rechthaberisches Gerede etwas, gerade jetzt in dieser akuten Situation?

Fast hätten wir wieder gebucht, ein Schwanken zwischen Fuerteventura und La Palma. Wir entschieden uns für die Windige, die Sandige mit den schönen Windmühlen. Bald … ich freu‘ mich drauf, falls uns nicht der Ascheregen der Cumbre Vieja einen Strich durch die Flugverbindung machen wird …

Wen es interessiert: hier kann man die Liveübertragung des Vulkanausbruchs verfolgen (auch rückwirkend).

Update 21.10.2021: Nun erleidet auch der kleine Ort La Laguna dasselbe Schicksal wie Todoque. Die fünf Meter hohe Lava fließt unaufhaltsam Richtung Meer und begräbt alles, was sich auf ihrem Weg befindet, unter sich. Mittlerweile mussten auf La Palma bereits etwa 7.000 Menschen evakuiert werden. Und die Cumbre Vieja kommt nicht zur Ruhe.

Images and Text © Simone Foedrowitz (F O T O H A B I T A T E). All Rights Reserved.

11 Comments

  1. Liebe Simone,
    zu Vulkaninseln hast du offensichtlich eine problematische Beziehung. Erst White Island und jetzt La Palma. Möchtest du nicht lieber zu Hause bleiben? 😉
    Ich wünsche dir jedenfalls einen entspannten Urlaub und bedanke mich für deinen einfühlsamen Bericht.
    Viele Grüße
    Horst

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    1. Hör bloß auf! Dazu noch Kao Lak mit dem Tsunami und Schönau mit dem Erdrutsch… Mein Mann sagte schon: „Leichen pflastern ihren Weg!“
      Spaß beiseite: Ich bin einfach nur traurig. La Palma wird sehr lange darunter leiden. Da hängen viele Existenzen dran. Wirtschaft (Bananen), Tourismus und ganz zu schweigen der Verlust des Zuhauses. Ein befremdliches Gefühl die vertrauten Orte im Fernsehen zu sehen…
      Danke für Deine Wünsche! Der Urlaub ist ja noch ein wenig hin… LG Simone

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  2. Schreckliche Bilder von den Schäden, die der Vulkan anrichtet. Vor allem, wenn man zu dem Schluss kommt, dass Orte, an denen man einmal war, jetzt plötzlich nicht mehr existieren….
    Schönen Abend noch und Gruß
    Rudi

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    1. Ja, das ist sehr traurig. Ich habe eine sehr enge emotionale Bindung an die Insel, speziell an diese Ecke. LG Simone

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  3. So glad you posted this remembrance – remember, the Earth is patient.

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    1. It only remains to be seen. La Palma is still a very young island and it wants to grow…

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  4. Mir tun die von Vulkanausbrüchen, Waldbränden, Überschwemmungen und sonstigen Naturkatastrophen betroffenen Menschen auch immer leid, und die Bilder von La Palma sind furchterregend. Ich hoffe Eure Reise wird stattfinden können.
    Herzlichen Gruß,
    Tanja

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    1. Vielen Dank für Deine mitfühlenden Worte, liebe Tanja. Ich hoffe sehr, dass alles gut klappt. Herzliche Grüße zurück!

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  5. Man sieht ja immer mal wieder Bilder von der Insel in den Nachrichten und hört die Zahlen der Menschen, die ihre Häuser verlassen müssen. Da hat man schon Mitleid, aber dein Beitrag bringt es noch mal auf den Punkt. Zwei Ferienhäuser, ein Ort, nicht mehr da, einfach weg. Krass. Wo bleiben jetzt all die Menschen??
    Für eure Reise alles Gute und keine weiteren Vulkanausbrüche bitte 😉 LG Almuth

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    1. Die evakuierten Palmeros leben bei Freunden, Verwandten oder im Wohnmobil. Alles nicht so einfach.
      Der Vulkanascheregen ist überall und muss von den Dächern runter, sonst droht Einbruchsgefahr ähnlich wie bei Schnee.
      Ist immer eine stärkere Betriffenheit, wenn man die Orte gut kennt, an denen sowas Schlimmes passiert.
      Ich hoffe auch sehr, dass alles bald endet, damit der Aufbau wieder beginnen kann. Ist so eine tolle Insel mit unglaublicher Natur und netten Bewohnern!!
      Danke für Deine Wünsche liebe Almuth!

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    2. Das mit dem Gewicht wußte ich nicht. Das ist ja auch krass. Sie gewinnen jetzt ein bißchen Land dazu und der Boden wird fruchtbar werden, aber davon haben die Menschen wohl erst viel viel später was. Ja, hoffentlich hat er sich bald ausgespuckt!!!

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