Handa Island – Vogelparadies im Nordwesten Schottlands

steile tonnenförmige rotfarbene Felsklippen am Meer

Steil, steiler, am steilsten. Das ist Handa Island, ein 3.08 km² großes Vogelschutzgebiet internationaler Bedeutung. Die mächtigen Felswände der vom Scottish Wildlife Trust verwalteten Privatinsel sind nicht minder beeindruckend wie die zahlreichen Vogelarten, die hier ihre Nester bauen: Im Sommer insgesamt rund 100.000 Seevögel, darunter …

Papageientaucher, Tordalken, Skuas, Truttellummen, Eissturmvögel und Dreizehenmöwen, um nur einige zu nennen. Mächtig gewaltigt sind auch die Superteleobjektive der Vogelfans, die den Objekten der Begierde mit Distanz auf die Pelle rücken.

Dagegen kamen mir meine 200 mm Brennweite doch ziemlich mickrig vor. Aber dafür bewies mein Objektiv erstmalig, dass es tatsächlich wasserdicht ist, denn es regnete ohne Pause. Schottland halt. 🙂

Unglaublich glatt, steil, farbig und dazu noch unfassbar alt: Die 30 Meter hohen Felsen bestehen aus 1.200 (!) Millionen Jahre alten Torridon Sandstein.
Gleiche Aufnahme, aber freigestellt. Mit nur 200 mm blieb mir oft nichts anderes übrig.

Also war ich nicht enttäuscht, sondern konzentrierte mich auf meine limitierten Möglichkeiten. Ich versuchte die Vögel möglichst so zu fotografieren, dass ihre Beziehung zu ihrem Lebensraum in dieser beeindruckenden Landschaft gut zu Geltung kommt. 

Diesen Ausblick würde ich auch gerne täglich genießen wollen!

Ich war zur besten Zeit da, im Mai, denn bis Juli ist Hauptbrutzeit. Als ich meine Reise in den Nordwesten Schottlands plante, musste Handa Island daher unbedingt dabei sein. Von Lochinver, wo ich wohnte, startete ich bereits ganz früh morgens zum Küstenort Tarbet, um die erste Fähre zu erwischen. Die tägliche Besucheranzahl ist nämlich auf 100 begrenzt und eine Alternative blieb mir nicht mehr.

Nach dem Ticketkauf an einem kleinen Kiosk ging es auch bald los. Zeitgleich mit einsetzenden Dauerregen, der ein Segen nur vor sich hinnieselte. Dafür aber unentwegt. Rettungsweste um den Hals und dann mit der kleinen Personenfähre mit weiteren neun Leuten an die Ostseite der Insel.

Einziger Unterstand: Die öffentlichen Toiletten in der Nähe des Anlegers.

Angelegt wird an einem kleinen Sandstrand. Nach einer kurzen Einweisung durch den Ranger über die Insel, die Vögel, Verhaltensweisen und Gefahren kann man dann die Insel auf eigene Faust erkunden. Natürlich nur auf dem ausgewiesenen fünf Kilometer langen Rundweg. Das hat so manchen Vorteil, wie Ihr gleich lesen werdet.

Finanziert wurde der Rundweg vom European Agricultural Fund for Rural Development (EAFRD).
Eine Große Raubmöwe, auch Skua genannt.

Zuerst geht es auf einen Bohlenweg entlang, der über mooriges Grasland führt. Dreimal dürft Ihr raten, wer da so begeistert in den Himmel guckte, dass der eine Fuß – zack – im Wasser abtauchte 😉 Na ja, wenigstens landete der Rest meines Körpers nicht drin. 🙂 Das wäre es ja noch gewesen! Also neben Regenjacke und -hose sollten die Schuhe auch wasserdicht sein. Nicht die schlechteste Idee für den Tripp sind tatsächlich Gummistiefel.

Wenigstens wurde ich nicht von der hier sitzenden Große Raubmöwe angegriffen! Denn sollte den in der Nähe brütetenden Vögeln Deine Anwesenheit nicht passen, heißt es Beine in die Hand! Angriffe neben dem Bohlenweg kommen vor und man sollte darauf gefasst sein. Gut, dass der Ranger uns anfangs darauf hingewiesen hatte!

Der Old Man of Stoer ist ein rund 60 Meter hoher Brandungsfelsen (sea stack) auf der Halbinsel Stoer.

Während der Osten der Insel recht flach ist, gelangt man dann im Westen zu der dramatischen Steilküste mit tollen Aussichts- und Beobachtungsplätzen. Von hier sieht man auch den prägnanten Old Man of Stoer. Einige Tage zuvor hatte ich dort eine wunderschöne Wanderung entlang der Steilküste bis zur Spitze, dem Stoer Head gemacht.

Hierzu gibt es auch einen eigenen Beitrag „Entlang der Klippen“.

Voll besetzt! Und mit wem? Mal näher ran …

Ist es nicht unglaublich, wie die Vögel in diesen steilen Felswänden brüten können? Und wie sie in dem Getümmel immer wieder ihr Nest finden?

In Reih und Glied sitzen jeweils Tordalken und Eissturmvögel zusammen auf den engen Felsvorsprüngen.
Ein Blick in die Tiefe aus 30 Meter Höhe.

Trotz des Dauerregens hat es unglaublich viel Spaß gemacht, den Seevögeln zuzuschauen. Ihre rasanten Sturzflüge in die Tiefe, ihre kleinen und größeren Rangeleien untereinander. Immer begleitet von einem ziemlichen Gekreische.

Auch Papageientaucher habe ich gesichtet. Aber die waren so weit weg, dass man sie auf den Bildern suchen muss. Schade! So ein Portrait dieses charmanten Vogels wäre wirklich noch ein Bonus gewesen.

Anflug Tordalk. Auf Distanz ist er schnell mit den Trottellummen zu verwechseln.
Immer wieder erstaunlich, wie die Eissturmvögel auf nackten Fels brüten können.
Wenn sie sich bedroht fühlen, spucken sie bis zu zwei Meter weit ihr stinkendes, gelbes Magenskret aus.
Der Artgenosse lässt nicht locker und stänkert weiter. Der Blick sagt einfach alles, oder?

Der Rundgang auf Handa Island dauerte je nach Stopps gut drei Stunden. Wer viel fotografiert braucht natürlich länger. Die letzte Fähre geht um 17.00 Uhr und die sollte man nicht verpassen, sonst wird es teuer. Vergessen sollte man neben der erwähnten wasserfesten Kleidung auf keinen Fall ein warmes Fleece, genügend Essen und Trinken und natürlich ein Fernglas und oder ein Teleobjektiv.

Handa Island war für mich dann auch der Anlass, das SIGMA 150-600 mm F5-6,3 DG OS HS/ Contemporary samt Konverter zuzulegen. Das gab es mal im Bundle zu einem attraktiven Preis, ist nicht so schwer (allerdings dafür auch nicht wasserdicht) und hat eine tolle Schärfe mit angenehmen Bokeh. Ich wollte nicht immer meine Fotos zu stark freistellen, denn die Qualität leidet darunter, v.a. im Druck.

Ich nutze das SIGMA zwar nicht ganz so häufig, aber doch in regelmäßigen Abstand, insbesondere im Garten und auch bei mir aus dem Wohnungsfenster. Es gibt in Hannover in der Innenstadt mittlerweile so viele Vogelarten zu beobachten. Unglaublich! Aber dazu irgendwann mal mehr … Also, was ich damit sagen will: Ich habe die höhere Geldausgabe nicht bereut!

Übrigens ist der Name der Insel Handa gemischt gälischen und nordischen Ursprungs und bedeutet „Insel am sandigen Fluss“. Die Insel wurde in früheren Zeiten von Menschen vom Festland als Begräbnisstätte genutzt, damit die Gräber nicht von Wölfen ausgegraben werden. Seit 1848 ist die Insel unbewohnt.

Schön, dass Ihr mitgekommen seid!

Und wer sie noch nicht kennt: Hier geht’s zur Galerie Landschaftsbilder Schottland-Nordwest.

Images and Text © Simone Foedrowitz (F O T O H A B I T A T E). All Rights Reserved.

30 Comments

  1. Eine beeindruckende Steilküste!

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    1. Ja, nicht der schlechteste Ort 😉 Diese Küste mit dem alten Torridon Sandstein ist wirklich sehr beeindruckend.

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  2. Trotzdem hast du sehr schöne und stimmungsvolle Fotos mitgebracht 😊. Danke fürs Mitnehmen!
    Mit meiner neuen Sony hab ich jetzt nur noch ein 135er Objektiv, das ist wirklich nicht toll für die Tierfotografie. Andererseits mag ich auch kein schweres Objektiv mitschleppen 😉.

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    1. Dankeschön! So diesige Stimmung hat ja auch was.
      Ein Supertele ist auch für mich nur bei solch gezielten Ausflügen mit birdwatching etc. eine Option. Als Wanderbegleitung eher nicht 😉

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  3. Great post and beautiful shots despite the rain but hey that’s Scotland!

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    1. Thanks Brian! Scotland is worth every drop of rain 😁 Most of the time anyway…

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  4. Danke fürs Mitnehmen auf deiner Reise mit tollen Aufnahmen und Eindrücken… 🙂
    Liebe Grüße Ariana

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    1. Danke fürs Mitkommen, liebe Ariana! ☔

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  5. Wir fanden es auch super dort und stell dir vor, wir hatten keinen Regen. Es kam sogar die Sonne heraus.
    Thanks for sharing
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    1. Rückblickend hatte dieser Dauernieselpiesel ja irgendwie etwas. Gibt so eine ganz besondere Stimmung. Aber ein wenig Sonne wäre auch schön gewesen. Habt Ihr Puffins gesehen? Also richtig nah?

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    2. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Auf jeden Fall sahen wir welche ziemlich nah an einer Klippenwand, aber ich glaube, es war nördlich von Scourie.
      Kennst du übrigens das Scourie-Hotel? Uns gefällt es dort äußerst gut.

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    3. Ich bin daran vorbeigefahren. Danke für den Tipp. Ich möchte gerne noch mal in die Gegend. Hat mich stark beeindruckt.

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    4. Wir steigen dort ein paar Tage ab, wenn wir zu den Orkneys fahren. Wir finden, der Norden Schottlands hat eine ganz bes. Stimmung. Und du glaubst es kaum, immer wenn wir dort waren – Mitte September, den gesamten Oktober bis Anfang November – hatten wir richtig gutes Wetter. Ich weiß, großes Glück ist das. Aber der Oktober scheint uns ideal für eine Schottlandfahrt zu sein.

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    5. Gut zu wissen 😊

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  6. Interessant, wie die Tordalken und die Eissturmvögel schön säuberlich voneinander getrennt auf den Felsbändern nisten. Nur die Vögel auf einem der Bänder praktizieren „Inklusion“! Faszinierend, solche von Menschen unbewohnte Inseln!

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    1. Hihi, wobei Inklusion bei Vögeln eigentlich sonst eher weniger vorkommt. Aber die Puffins waren auch mitten unter den anderen. Nur leider zu weit weg und es waren im Mai noch nicht ganz so viele auf der Insel.
      Ja, solche unbewohnten Eiland sind für die Tierwelt unglaublich wichtig!

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  7. Trotz der Tatsache, dass Sie ein 200-mm-Objektiv verwendet haben, sind die Bilder wunderschön. Vielleicht hatte es sogar gewisse Vorteile, weil Sie auch die Landschaft einfangen. Die Felsformationen sind dort etwas ganz Besonderes.
    Ich selbst habe auch über den Kauf des Sigma 150-600 mm nachgedacht, aber manchmal habe ich gelesen, dass die Tamron-Version besser ist. Ich habe also noch einige Zweifel. Derzeit habe ich die Sigma 18-200mm F3.5-6.3 DC MACRO OS HSM Nikon.

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    1. Dankeschön!
      Ich finde auch, dass es wichtig ist, die Beziehung zwischen Tier und Landschaft zu zeigen. Aber mehrere Portraits wären auch nicht schlecht gewesen.
      Ich war neben Canon immer auch schon Fan von Sigma-Objektiven. Sie sind unglaublich scharf! Mit dem 150-600 mm habe ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Scharf und der Bildstabilisator ist super! Ich kann es abgestützt ohne Stativ benutzen und mit einer für eine solche Brennweite recht langen Verschlusszeit. Ich werde irgendwann darüber berichten!

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  8. Ein sehr schöner Bericht und ja, es ist irre, wie die Vögel auf diesen extrem schmalen Felsvorsprüngen brüten können oder überhaupt sich aufhalten. Die Landschaft ist natürlich traumhaft. Ich als Schottlandfan bin wieder voll auf meine Kosten gekommen. Die Galerie sehe ich mir demnächst an 🙂 Liebe Grüße von weiter nordöstlich
    Almuth

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    1. Da bin ich mir sicher, dass Du auf Handa Island auf Deine Kosten kommst! Die ganze Ecke des Assynt ist der Hammer! Diese Weite und Einsamkeit und die Landschaft. Ich muss da unbedingt noch mal hin.
      Wobei wenn ich so aus dem Fenster gucke, bin ich wohl dort, ohne es zu wissen 😉 Was für ein Maiaprilwetter!!

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    2. Haha, aber wirklich. Ach ja, ich liebe das ja auch.

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  9. So beginnt ein Tag doch gut. Tolle Bilder, wunderbarer Bericht. Ich bin schwer beeindruckt. Zum Objektiv. Habe das 150 – 500 mm plus Converter von Sigma. Bin nicht so begeistert. Freue mich, dass Du es besser getroffen hast. Jedenfalls geht meins nur bei Sonnenschein gut und scharf ohne Stativ. Und das schleppe ich meist ja nicht mit mir herum.
    Du solltest mal nach Helgoland im Sommer.
    Grüsslies
    Maren

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    1. Dank Dir! Auf Handa Island hättest Du sicher auch Deine Freude! Tolle Insel wie die gesamte Gegend.
      Helgoland war ich schon ewig nicht mehr. Irgendwie immer verschoben oder andere Dinge waren gerade attraktiver. Aber die lange Anna und die Tölpel dort sind schon sehr beeindruckend.
      Schade, dass Dein Sigma nicht so gut ist. Meins macht seinen Job, auch bei Dämmerung. Aber viel rumschleppen tue ich das Riesending auch nicht. Muss schon ein gezielter Ausflug sein.
      Genieße die warmen Tage! Endlich!!

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    2. Helgoland mit dem Sigma z.B.
      Augenzwinkern zurück

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  10. Loved everything about this photo journey – great atmospheric photos!

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    1. Thanks for coming along 😊

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  11. Your images took me right back to our own visit to Scotland. They have some of the most wonderful landscapes. Your images of the cliffs and the birds are amazing – did you have a long zoom lens for those? Terrific post!

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    1. Thanks Tina! It’s an incredible landscape especially in this area.
      I only used my 70-200mm lens in Scotland.

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  12. What an interesting and fantastic place – your photos and descriptions are evocative. You got such great shots despite all the rain.

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    1. Thank you! The Scottish Highlands are truly fantastic!

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