Durch Drahtzaun – Through wire fence

(English below) Der gefangene Katta stand abseits der Gruppe, den Körper dicht an den Drahtzaun gepresst. Dieser Ausdruck in seinen Augen, während er durch die Löcher nach den grünen Blättern greift, rührt ziemlich an meinem Gewissen. Vielleicht interpretiere ich den Blick falsch …

weil ich derzeit zu sehr unter dem Einfluss eines eingeschränkten Lebens stehe. Aber ist es nicht erst das selbst erlebte Empfinden eines Gefühls, welches die emotionale Empathie für das Gegenüber erwachsen lässt? Weil es weit über das bloße Wissen allein hinaus geht?

The captive ring-tailed lemur stood apart from the group, its body pressed close to the wire fence. This expression in his eyes, when he reaches for the green leaves through the holes, touches my conscience. Maybe I misinterpret the gaze because I am currently too much under the impact of a restricted life. But isn’t it the own experienced feeling that allows emotional empathy for others grow? Because it goes far beyond mere knowledge alone?

 

Wildtiere als Ware

Die ursprüngliche Herkunft der Kattas ist die Insel Madagaskar. Sie sind dort endemisch und stark bedroht. Durch die prägnante Fellfärbung und den langen schwarz-weiß geringelten Schwanz sind die attraktiven Tiere nicht zu verwechseln. Als Statussymbol und Touristenattraktion werden die Wildtiere daher leider auch als Haustiere gehalten. Das ist nicht artgerecht und steht zusätzlich im Verdacht, den Wildfang und illegalen Handel zu befeuern. Denn süße Wildtierbilder und -videos massenhaft geteilt über Social-Media-Plattformen schaffen weltweit Begehrlichkeiten.

Nicht zuletzt werden durch den engen Kontakt auch Übertragungen von Krankheiten zwischen Wildtier und Mensch begünstigt (so genannte Zoonosen). Wohin das führen kann, weiß derzeit jeder. Artenschutz ist daher auch Menschenschutz. Zahlreiche Wissenschaftler warnen schon seit Jahren vor (weiteren) pandemischen Zoonosen, wenn das ungebremste Eindringen des Menschen in unbewohnte Gegenden, die Zerstörung von Biotopen (v. a. die Entwaldung), der Verlust von Biodiversität und der illegale Wildtierhandel so weitergeht wie bisher.

Das muss gestoppt werden!

Ich möchte hier auf eine bemerkenswerte Initiative aufmerksam machen: Photographers Against Wildlife Crime™.
Worum geht es bei diesem Naturschutzprojekt, das dieses Jahr durch Einnahmen des Wettbewerbs „Naturfotograf des Jahres“ unterstützt wird?

32 preisgekrönte internationale Fotograf*innen haben ein Buch gegen den illegalen Wildtierhandel veröffentlicht. Mit beeindruckend starken Bildern und informativen Texten dokumentiert es die Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber Wildtieren, aber auch das berührende Engagement ihrer Beschützer. Wildtiere als Lebensmittel, Wildtiere als traditionelle chinesische Medizinprodukte, Wildtiere als Haustiere, als Trophäen, als Touristenattraktion und als Showtiere missbraucht. Ich muss gestehen, die Bilder benötigen starke Nerven.

Und dennoch, sie entsprechen der täglichen Realität und die darf nicht ausgeblendet werden! Es ist unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitgeschöpfen. Nur wenn die Leiden von Tieren sichtbar gemacht und die Menschen hierfür sensibilisiert werden, kann eine öffenliche Diskussion stattfinden und der Wildtierhandel beendet werden. Daher ist das Buch neben Englisch auch in Mandarin geschrieben. Denn in China ist die Nachfrage nach Wildtierprodukten besonders groß.

Informationen über die Motivation, die Erfolge und die Verwendung der Gelder von Photographers Against Wildlife Crime™ findet Ihr in englischsprachigen Interviews mit den Gründern Britta Jaschinski und Keith Wilson hier und hier. Und bei Bedarf: hier auch ein kostenfreier Übersetzer von kompletten Webseiten.

Das Buch kann auf der Webseite von Photographers Against Wildlife Crime™ erworben werden.

 

Wild animals as goods

Ring-tailed lemurs originally come from the island of Madagascar. They are endemic and highly threatened there. Because of the concise coat colouring and the long black and white ringed tail, these attractive animals are not to be confused. As a status symbol and tourist attraction, the wild animals are unfortunately also kept as pets. This is not species-appropriate and is also suspected of fuelling wild capture and illegal trade. Because cute wildlife pictures and videos shared en masse via social media platforms create desire worldwide.

Last but not least, close contact also promotes the transmission of diseases between wild animals and humans (so-called zoonoses). Everyone currently knows where this can lead. Therefore species protection is also human protection. Numerous scientists have been warning of (further) pandemic zoonoses for years, if the unchecked invasion of uninhabited areas by humans, the destruction of Biotope (above all the deforestation), the loss of biodiversity and the illegal wildlife trade continue as before.

This must be stopped!

I would like to draw your attention to a remarkable initiative: Photographers Against Wildlife Crime™.
What is the nature conservation project about, which is supported this year by income from the „Nature Photographer of the Year“ competition?

32 award-winning international photographers have published a book against the illegal wildlife trade. With impressively powerful images and informative texts, it documents the cruelty and ruthlessness towards wildlife, but also the touching commitment of their protectors. Wildlife as food, wildlife as traditional Chinese medicinal products, wildlife as pets, as trophies, as tourist attractions and abused as show animals. I must confess, the pictures require strong nerves.

And yet, they correspond to daily reality and this must not be ignored! It is our responsibility towards our fellow creatures. Only if the suffering of animals is made visible and people are made aware of it, can a public discussion take place and the wildlife trade be stopped. That is why the book is written in Mandarin as well as English. Because the demand for wildlife products is particularly high in China.

IInformation about the motivation, the successes and the use of the funds of Photographers Against Wildlife Crime™ can be found in interviews with the founders Britta Jaschinski and Keith Wilson here and here. The book can be purchased on the Photographers Against Wildlife Crime™ website.

Katta hinter Drahtzaun Blatt fressendAlle Macht den Frauen

Aber nun zurück zum Katta. „Lemures“, so haben die alten Römer die bösen Geis­ter der Ver­s­tor­be­nen genannt. Schaut man in das Gesicht des Kattas weiß man sofort, warum sie Lemur catta heißen. Stechend gelbe Augen mit dunkler Umrandung – wer kennt das nicht auch aus Horrorfilmen?

Den rund 100 Lemurenarten gemeinsam ist, dass die Weibchen gegenüber den Männchen höherrangig sind und zwar alle! Wer hätte das gedacht? Machtkämpfe im Matriarchat finden aber selten statt. Zur Frage, warum sich bei Lemuren die weibliche Dominanz entwickelt und gehalten hat, gibt es unterschiedliche Thesen.

All the power to women

But now back to the ring-tailed lemur. „Lemures“ is what the ancient Romans called the evil spirits of the deceased. If you look into the face of ring-tailed lemur you know immediately why they are called Lemur catta. Pungent yellow eyes with dark outlines – who does not know this from horror movies?

The approximately 100 lemur species have in common that the females are higher ranking than the males – all of them! Who would have thought it? However, power struggles in matriarchy rarely take place. There are different theses on the question of why female dominance has developed and maintained in lemurs.

Images and Text © Simone Foedrowitz (F O T O H A B I T A T E). All Rights Reserved.

8 Comments

  1. Diese Pandemie mit all ihren Einschränkungen öffnet manchen Menschen die Augen für all das Tierleid. Wenn ich nur an die Nerze denke, die auf den Farmen vor sich hin vegetieren. Schrecklich, das ist auch erst ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, als die Pressebilder um die Welt gingen. Ich habe es auch nicht für möglich gehalten, dass es in der heutigen Zeit noch Pelztierfarmen in diesem Ausmaß in Europa gibt. Massentierhaltung, illegale WElpenzucht, Walmassaker auf den Faröerinseln, das für seinen grausamen Delfinfang berühmt gewordene Taiji und die Liste der Frevel an Tieren läßt sich unendlich fortführen. Nein – wir Menschen sind nicht die Krone der Schöpfung.
    In diesem Sinne, machen wir 2 es besser, wenigstens wir 2 und auch da kann ich so viele Mitstreiter aufzählen, im Großen „Vier Pfoten“ z.B. und im Kleinen die örtlichen Tierschutzvereine z.B..
    Maren

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    1. Ja, liebe Maren, Danke für Deine zustimmenden Worte!
      Man muss immer und immer wieder das Leid der Tiere zeigen. Fotografie ist das stärkste Mittel dafür. Natürlich sieht ein mitfühlender Mensch diese erschütternden Bilder nicht gerne.
      Aber wenn wir dieses unsägliche Leid noch nicht mal ertragen, es uns anzusehen: Diese Tiere müssen es sich nicht ansehen, SIE MÜSSEN ES SELBST ERLEIDEN!
      Tiere haben keine anderen Anwälte als Menschen, die sich gegen die Misshandlungen erheben. Und auch wenn nicht jeder aktiv im Artenschutz- und Naturschutz tätig sein kann, dann ist es gut diese Initiativen mit Geldern zu unterstützen. Viele Aktivist*innen riskieren dafür ihr Leben!

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  2. Haunting photo, Simone. Your topic is heart-wrenching and the illegal trade is a travesty. I appreciate your effort to highlight this ugliness.

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    1. Thank you very much for the supportive words, Jet. Wildlife crime is a topic that many people have trouble dealing with and are speechless. But I would like to see a discussion instead of silence. This is the only way to increase public awareness and reach the target groups.

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  3. Your photos of the captive lemur reveal such sad suffering. The trade in wild animals is so brutal and criminal. Thank you for highlighting the work of some of those working to end this terrible trade.

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    1. Thank you very much for your appreciative comment. I admire the work of photographers against wildlife. It’s hard to do and often dangerous.

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  4. Loved this post Simone – your images are amazing and the animal is quite beautiful. You are so right about the horrors of animal capture and selling in today’s world. I will definitely look into the Photographers Against Wildlife Crime, thank you for that.

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    1. I am currently reading this extraordinary book. They are intense stories. That’s why I only read one at a time, because I have to process the whole thing first. But there are also stories that are incredibly touching. Like the one about the Pangolin man.
      The book is very worthwhile!

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