Wo ist Heidi? – Where is Heidi?

Weg auf einer grünen Alm vor BergmassivIch konnte kaum glauben, was ich da sah, als ich aus dem dunklen Waldstück trat. Vor mir eröffnete sich der Blick auf eine märchenhafte Almlandschaft unter einem strahlend blauen Himmel. Idyllischer könnte die Bindalm im Klausbachtal des Berchtesgadener Nationalparks kaum liegen…

I couldn’t believe what I saw when I stepped out of the dark woods. In front of me the view opened up to a fairytale landscape of amountain pastures under a bright blue sky. The Bindalm in the Klausbachtal of the Berchtesgadener National Park could hardly be more idyllic.

Eingerahmt von baumbestandenen Bergflanken stehen in den saftig grünen Wiesen vier Kaser, das sind kleine Almhütten. Zwei davon sind bewirtschaftet. Über die sanft ins Tal hinab fallenden Hügel schlängelt sich ein weißer Pfad. Er scheint direkt auf ein mächtiges Bergmassiv zuzuführen.

Framed by tree-covered mountain flanks, there are four Kaser (small alpine huts) in the lush green meadows. Two of them are farmed. A white path winds its way over the gently descending hills. It seems to lead directly to a mighty mountain massif.

Es ist die bis zu 2.286 Meter hohe Reiter Alm – auch Reiter Alpe genannt – mit zwei ihrer prägnanten Gipfeln, den Mühlsturzhörnern. Sie werden auch “Ramsauer Dolomiten” genannt. Das steile Tafelgebirge begrenzt die Berchtesgadener Alpen zum Westen hin.

It is the up to 2.286 meters high Reiter Alm – also called Reiter Alpe – with two of its striking peaks, the Mühlsturzhörnern. They are also called “Ramsauer Dolomiten”. The steep Table Mountain Range borders the Berchtesgaden Alps to the west.

Was für eine herrliche Landschaft! Ich setzte mich kurzerhand ins grüne Gras und genoss das beeindruckende Panorama. Aber wo waren eigentlich die Kühe, genauer gesagt echte Pinzgauer Rinder?

What a beautiful landscape! I sat down into the green grass and enjoyed the impresive panorama. But where were the cows anyway, more precisely, real Pinzgauer Cattle?

Braunweiße auf Gras liegende KuhPinzgauer sind eine alte mittlerweile gefährdete Haustierrasse, die hier auf der Bindalm in ihrem 100 Tage andauernden Almsommer grasen soll. Im Gegensatz zum überwiegend vorkommenden hellbraun-weißen Simmentaler Fleckvieh sind die kastanienbraunen Pinzgauer Rinder sehr selten.

Pinzgauer are an old, meanwhile endangered domestic animal breed that should grazes on the Bindalm in its 100-day summer pastures. In contrast to the predominantly occurring light brown-white Simmentaler Fleckvieh, the chestnut brown Pinzgauer Cattle are very rare.

Der Grund hierfür ist der Wegfall ihres einstigen Vorteils als Dreinutzungsrind. Während heutige Kühe als Zweinutzungsrinder mehr Milch und Fleisch produzieren sollen, ist die Zugkraft als dritte Nutzungsart nachrangig geworden.  Nun ja, so ein vollkommen tiefenentspanntes Fleckrind wie ich es im obigen Bild auf der Litzlalm gesehen hab, ist aber doch auch etwas Feines, oder?

The reason for this is the loss of their former advantage as a triple-purpose breed. While today’s cows are supposed to produce more milk and meat, third type of use as draught animal has become secondary. But a completely relaxed Fleckrind as I saw it on the Litzlalm in the picture above is also something fine, isn’t it? 

Die ebenfalls wunderschöne Litzlalm hatte ich bereits ein paar Tage vorher besucht. Sie liegt auf österreichischem Boden rund 200-400 Meter oberhalb der Bindalm.  Wer den Bergdoktor schaut, wird sie kennen, denn da taucht sie in Teilen der 11. Staffel  auf. Ebenfalls ein herrliches Fleckchen und wie die Bindalm genauso gut per Almerlebnisbus, Fahrrad und zu Fuß zu erreichen.

I had already visited the beautiful Litzlalm a few days before. It lies in Austrian about 200-400 meters above the Bindalm. Germans who watch the film series “Bergdoktor” (mountain doctor) will probably know, because it can be seen in parts of the 11th season. Also a wonderful spot and just as easy to reach as the Bindalm by the “Almerlebnisbus”, bicycle and on foot.

Etwas schwieriger wird dann der Aufstieg, wenn man vom Litzkogel auf 1.629 Meter Höhe (offiziell 1.625 Meter) einen kompletten Rundumblick auf die Berchtesgadener Alpen und die Leoganger Steinberge genießen möchte. Auf dem Bild oben gut zu erkennen ist links die Reiter Alpe und genau hinter dem Kreuz das Klausbachtal.

The ascent becomes somewhat more difficult when you want to enjoy a complete panoramic view of the Berchtesgaden Alps and the Leoganger Steinberge mountains from the Litzkogel at 1,629 metres above sea level (officially 1,625 metres). On the picture above you can see the Reiter Alpe on the left and just behind the cross the Klausbachtal.

Der Steig ist besonders zum Schluss vor allem für kurze Beine 🙂 ziemlich steil und an einer felsigen Stelle sogar seilversichert. Alleine unterwegs, musste ich wirklich etwas überlegen, ob ich weitergehen soll. Aber auf dem Gipfel waren einige Leute und so siegte der Mut. Und es hat sich gelohnt. Die Aussicht von dem abseits der gängigen Routen liegenden Berg ist fantastisch!

The climb is particularly steep at the end, especially for short legs 🙂 and at a rocky point even secured with a rope. Alone on the easy, I really had to think about going on. But on the summit there were some people and so courage won. And it was worth it. The view from the mountain off the beaten track is fantastic!

Der Rückweg führte mich erneut über die Litzlalm und diesmal nahm ich die Einladung zu einer kalten Erfrischung an und kehrte in die Jausenstation ein. Jause bedeutet in Österreich übrigens Zwischenmahlzeit und Almen müssen nicht immer grün sein, oder? 😉

Doch nun zurück zur Bindalm und den fehlenden Pinzgauern.

The way back led me again over the Litzlalm and this time I accepted the invitation for a cold refreshment and stopped at the Jausenstation, a snack station. By the way, “Jause” in Austria means a snack between meals and alpine pastures don’t always have to be green, do they? 😉 

But now back to the Bindalm and the missing Pinzgauern.

Der Almauftrieb Ende Mai hatte nur wenige Tage vor meinem Besuch stattgefunden. Dass ich auf der Bindalm dennoch keine Kühe sah, hatte einen anderen Grund. Die Bindalm ist eine so genannte Nachtweide. Die Tage verbringen die Rinder im Stall und haben ihre Ruhe vor lästigen Insekten und auch vor manch zu dreistem Touristen.

The cows were led up to the alpine pasture at the end of May just only a few days before my visit. There was another reason why I didn’t see any cattle on the Bindalm. The Bindalm is a so-called Night Pasture. The animals spend the days in the stable and have their rest from annoying insects and also from some too brazen tourist.

Schade! Auch Heidi und der Geissenpeter ließen sich nicht blicken. 😉 Aber das tat dem Idyll keinen Abbruch. Einfach nur die Seele baumeln lassen, viel viel länger als geplant…

Well, and Heidi and the Geissenpeter didn’t show up either. 😉 (Note: Heidi is an alpine girl in a cartoon and movie based on the eponymous novels by Johanna Spyri.) But that didn’t harm the idyll. Just let my soul dangle, much longer than I have planned…

Doch irgendwann blickte ich nach oben. Dunkle Wolken zeigten unverkennbar, dass die Wetterprognose Recht behalten sollte: Schwere Gewitter am späten Nachmittag.

But at some point I looked up to the sky. Dark clouds unmistakably showed that the weather forecast was right: Heavy thunderstorms in the late afternoon.

Ich cancelte meinen Plan, entlang des Klausbachs bis zum Hintersee zu laufen. Schade, die 51 Meter lange Hängebrücke, seit 2010 eine richtige Attraktion im Klausbachtal, musste also leider ausfallen. Den Weg bis zur Ragertalm wollte ich dennoch gehen, um dort in den Almerlebnisbus einzusteigen.

I rejected my plan to walk along the Klausbach to Hintersee. The 51 metre long suspension bridge, a real attraction in the Klausbachtal since 2010, had unfortunately to be cancelled. Nevertheless I wanted to go the way to the Ragertalm to get into the Almerlebnisbus there.

Das sieben Kilometer lange Klausbachtal gilt nicht nur als Tal der Almen, sondern auch der dort brütenden Steinadler (Aquila chrysaetos). Außerdem ist es Rückzugsgebiet seltener Pflanzen wie des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus). Der Name Klausbachtal beruht übrigens auf einer Klause, über die früher mittels eines Kanals das geschlagene Holz zur Saline Frauenreuth in Berchtesgaden transportiert wurden.

The seven kilometre long Klausbachtal is not only a valley of alpine pastures, but also of the golden eagles (Aquila chrysaetos) breeding there. It is also a retreat for rare plants such as the lady’s slipper orchid (Cypripedium calceolus). By the way the name Klausbachtal is based on a hermitage (Klause) over which the felled wood was transported to the Saline Frauenreuth in Berchtesgaden by means of a canal.

Überall liegen Baumstämme herum, um im Sinne des Nationalparkgedankens neues Leben zu ermöglichen. Vom Hang sprudelt Wasser und die Luft ist feucht. Die Dynamik der Natur ist deutlich spürbar.

Everywhere tree trunks are lying around, in order to make new life possible in the sense of the national park thought. Water gushes from the slope and the air is humid. The dynamics of nature are clearly perceptible.

Am Hintersee angekommen, stieg ich mit einer Horde komplett nassgewordener Leute in den RVO-Bus 846 in Richtung Berchtesgaden um.  Der Bus war so voll und feucht, dass ein Mitfahrer die ganze Zeit die Windschutzscheibe von innen putzen musste. Ich war glücklich, vollkommen trocken geblieben zu sein.

Arrived at Hintersee, I changed with a horde of completely wet people into the RVO bus 846 in the direction of Berchtesgaden. The bus was so full and damp that a passenger had to clean the windshield from the inside all the time. I was happy to have stayed totally dry.

Und zu Hause auf meinem überdachten Balkon mit einer guten Tasse heißen Kaffee genoss ich umso mehr das diesige Regenspektakel an den Berghängen. Einfach nur schön!

Wer sich nun über die Linienführung im letzten Bild wundern sollte: Es ist ein “Wischerbild”.

And at home on my covered balcony with a good cup of hot coffee, I enjoyed all the more the misty rain show on the mountain slopes. Just beautiful!

Who should now wonder about the lines in the last picture: I used the technique called ICM – intentional camera movement.

 

Images and Text © Simone Foedrowitz (F O T O H A B I T A T E). All Rights Reserved.

38 Comments

  1. Lovely pictures and very interesting post, especially about the cattle. I am intrigued by the well-paved path. I guess it protects against erosion from being trodden by so many visiting feet.

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    1. Thank you Carol! I think erosion could certainly be a reason. In addition, the alp is wheelchair accessible. That’s really great!

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  2. Wunderschöne Bilder! Da bekomme ich doch jetzt tatsächlich schon wieder Lust auf den Sommer. Österreich und das Allgäu sind geplant!

    Herzliche Grüße aus Limburg an der Lahn,
    Jörg vom Wanderblog Outdoorsuechtig

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    1. Allgäu ist auch noch auf meiner Wunschliste! Vielen Dank für Deinen netten Kommentar, Jörg. Ich freue mich übrigens immer sehr auf Deine Wanderberichte inklusive TV-Tipps! LG

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  3. Das erste Foto ist wirklich absolut traumhaft. Der Rest ist aber ebenso so schön.

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    1. Das freut mich zu lesen!

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  4. toller Bergbeitrag und sei froh dass du noch trocken unten angekommen bist. Phantastische Bergaufnahmen !
    PS: ich gucke übrigens den Bergdoktor !!!!

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    1. Das freut mich, Manni! Der Regen war echt krass…

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    2. kein Thema und ich als alter Bergfreak muss das ja toll finden !!!

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  5. Danke für deine Bergführung mit traumhaften Bildern. Da möchte ich mal wieder gleich dort sein. 🙂
    Liebe Grüße Ariana

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    1. Hab Dich gern entführt! 😏

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  6. Boah, was für herrliche atemberaubende Bilder! Wirklich wie bei Heidi.

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    1. Danke Dir Petra! Das Berchtesgadener Land ist wirklich traumhaft schön!

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  7. Ein Genuss in Wort und Bild
    LG
    MAren

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    1. Danke Maren! Ist ne tolle Gegend!

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  8. Die Heidi ist in der Schweiz!

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    1. Für mich wohnt die fiktive Figur Heidi in der bekanntlich grenzenlosen Fantasie! Schweiz hin oder her! 😉

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  9. Prachtige heldere foto’s hoor, de eerste is een juweeltje!

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    1. Dank u Edward voor uw vriendelijke opmerking!

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  10. Sorry, het moet heldere foto’s zijn.

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  11. What fantastic scenery!

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    1. Thanks Brian!

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  12. Sehr schöne Bilder, liebe Simone! Da möchte man gleich hinterherreisen und es kommen Erinnerungen hoch an Kindheitserlebnisse beim Wanderurlaub in Österreich! Schade mit den Kühen. Müssen die armen Tiere jetzt nachtaktiv sein…ob die das mögen? Vielen Dank für den Ausflug. Schön, daß DU trocken geblieben bist 🙂 LG, Almuth

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    1. Danke Almuth! Freut mich, dass der Post schöne Erinnerungen weckt. Nach meinem Wissensstand bevorzugen Kühe bei höheren Temperaturen von sich aus den Schutz des Stalls. Tagsüber bei hoher Sonneneinstrahlung, wie es im Almsommer der Fall ist, können sie auf der Weide in Hitzestress geraten. Insofern ist die Nachtweide hier klar im Vorteil. Außerdem kommen sie ja schon abends raus und so haben sie noch einige Stunden, bevor es so richtig dunkel wird. Ich glaube daher nicht, dass einem die Kühe leid tun müssen. LG zurück 😊

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    2. Okay, dann sind es jetzt keine total nachtaktiven Kühe, da bin ich froh 😉 Und daß mit der Sonneneinstrahlung da oben hätte ich anders eingeschätzt. Also alles in Ordnung. Schön, daß du sie uns von hinten gezeigt hast 🙂

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  13. DIe Bilder sind unglaublich farbenfroh, liebe Simone. Danke für diesen wunderschönen Ausflug auf die Alp. Heidi und ihren Großvater hätte ich dort auch erwartet.😊

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    1. 😊 Hab ich gerne gemacht!

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  14. Schöne Bilder von einem bezaubernden Bergwelt. Das Foto wo die Kuh mit dem Schwans winkt ist ganz Lustig.

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    1. Ja, das fand ich auch lustig 😊

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  15. Beeindruckende Landschaften und tolle Fotos.

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    1. Freut mich, dass es Dir gefällt!

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  16. Wow, a wonderful adventure. Love the misty end photo

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    1. Yes, it was a little adventure. Thanks Tina!

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  17. Stefanie

    Also wirklich. Wie im Märchen.

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  18. Fabulous tour in the Alps, Simone, utter beauty in every direction. Your photos captured the immensity of these grand mountains, not an easy task for as huge as they are. Enjoyed reading about adventures with climbing these steep paths (glad you pushed to the top), the threatening weather, and the cows. Excellent post, thank you.

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    1. Thank you so much for your kind words, Jet. Your welcome! Since I have visited the Southern Alps in New Zealand I lost my heart to the huge mountains. And it’s a gift that we have in Germany also these beautiful landscape. Ramsau is a great place to stay because of its sustainable way of tourism. Unfortunately there are many places in the Alps which destroying the sensitive nature.

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  19. Ein schöner Zufall, dass ich jetzt auf Deinen Blog gestoßen bin. Wir planen gerade unseren Sommerurlaub – und das Berchtesgadener Land ist in der engeren Wahl. Dein schöner Reisebericht und die tollen Fotos sind da die perfekte Anregung für unsere Entscheidung.

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    1. Das freut mich sehr zu lesen! Ich glaube, wenn man ins Berchtesgadener Land fährt, kann man nichts verkehrt machen. Es sei denn, man wählt die falsche Unterkunft 😉
      Die Natur ist Bombe und die Menschen habe ich als sehr freundlich empfunden.

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